Details der Alternativtrasse M&M in der Schwäbischen Zeitung

Erschienen in der Schwäbischen Zeitung am 04.11.2019 von Michael Hescheler

Grafik: Schwäbische Zeitung
Grafik: Schwäbische Zeitung

Beinahe zwei Jahre lang hat das Straßenbündnis geschwiegen. Nun haben die Verantwortlichen des Bündnisses umfangreiche Informationen zu ihren Überlegungen vorgelegt. Anlass für die Kehrtwende in der Öffentlichkeitsarbeit war der Artikel „Ökologischer Skandal: Fürstenhaus lehnt Straße ab“ in unserer Ausgabe vom 26. Oktober. Die von den Bürgern erarbeitete Alternativroute führt zum Großteil durch den zwischen Mengen und Meßkirch gelegenen Wald. „Wir wollen den Wildpark Josefslust nicht durch eine Straße kaputt machen“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Inzigkofer Bürgerinitiative, Heinrich Walter. Die „Schwäbische Zeitung“ berichtete, dass die Alternativtrasse zum Großteil durch den Wildpark führt. Diese Darstellung war falsch. „Der Wildpark bleibt völlig unberührt“, sagen die Verantwortlichen. Richtig ist hingegen, dass die Trasse, wie von uns berichtet, den fürstlichen Wald auf einer Länge von 3,1 Kilometern durchschneidet. Aus diesem Grund hat sich das Fürstenhaus gegen den Alternativvorschlag positioniert und rechtliche Schritte angekündigt, falls der Vorschlag weiterverfolgt wird. Das sind die neuen Informationen und so geht es nun weiter.

 

Wie reagiert das Bündnis auf die drastischen Worte des fürstlichen Forstleiters Raimund Friderichs, der von einem ökologischen Skandal gesprochen hatte?

In einem an Karl Friedrich Fürst von Hohenzollern gerichteten Brief drückt der Vorsitzende Bruno Dreher seine Überraschung über die Reaktion aus. „Als wir dem Fürstenhaus unsere Überlegungen vorstellten, haben wir das so nicht wahrgenommen“, sagt Dreher. Ziel des Bündnisses ist, mit allen Beteiligten im Gespräch zu bleiben - dazu gehört auch das Fürstenhaus.

 

Warum hielt sich das Bündnis bislang mit Informationen zurück?

Trotz mehrfacher Nachfrage der „Schwäbischen Zeitung“ hielt sich das Bündnis bedeckt. Der Grund: Es wollte nicht, dass die Überlegungen vor einem Neustart der Planungen zerredet werden. Deshalb wurden lediglich ausgewählte Entscheidungsträger und die Grundstückseigentümer informiert.

 

Wie umfassend sind die Überlegungen, die federführend Edgar Kempf aus Inzigkofen anstellte?

Die Bündnismitglieder betonen, dass sie keine Fachleute seien. Deshalb arbeiteten sie sich in die Materie ein und holten sich externe Ratschläge. „Edgar Kempf hat Hunderte von Stunden damit verbracht“, sagt Bruno Dreher. Mit Zahlen, Karten und Schaubildern will das Bündnis untermauern, warum sein Vorschlag eine sinnvolle Alternative zur aktuell priorisierten Nordtrasse ist. Mit einem namhaften Straßenplanungsbüro sei der Vorschlag ebenso abgeglichen worden.

 

Was ist der Hauptunterschied zur Nordtrasse?

„Wir wollen die Menschen aller sieben Anrainergemeinden entlasten“, sagt Bruno Dreher. Deshalb nutzt die Alternativtrasse im Gegensatz zur Nordtrasse nicht mehr einen Teil der bestehenden Bundesstraße 313, sondern verläuft in Ost-West-Richtung durch den Wald. Die Straße wird in südliche Richtung verschoben, damit wird eine Entlastung der Ortschaften Inzigkofen und Laiz erreicht.

 

Warum ist das Bündnis im Gegensatz zum Fürstenhaus von der Klimabilanz überzeugt?

Wie bereits berichtet, ist der Trassenvorschlag vier Kilometer kürzer und es müssen halb so viele Höhenmeter bewältigt werden. Diese Tatsachen reduzieren aus Sicht der Bürger den jährlichen CO2-Ausstoß des Verkehrs im Vergleich zur Nordtrasse um 18 500 Tonnen. Da für die Trasse circa 40 Hektar Wald abgeholzt werden müssen, verschlechtert sich die Klimabilanz um 450 Tonnen. „Die günstigere Klimabilanz wiegt aus unserer Sicht den höheren Waldverbrauch auf“, so das Bündnis. Zumal der Wald an anderer Stelle wieder aufgeforstet werden müsste. Das Fürstenhaus führt als Gegenargument an, dass durch die Zerschneidung ein weitaus größeres Waldgebiet Schaden nehmen würde.

 

Was spricht aus Sicht des Bündnisses noch für die Alternative?

Sollten wie bei der Nordtrasse bestehende Abschnitte genutzt werden, entstünden Engpässe, die nicht beseitigt werden könnten. Bruno Dreher bezeichnet das Sigmaringer Ohr, also den Anschluss der B 313 an die Landesstraße in Richtung Krauchenwies, beim Freibad als Flaschenhals. Hier sei nur mit hohem Aufwand ein Ausbau möglich. „Unsere Trasse ist kein Flickwerk. Sie kann nach Bedarf ausgebaut werden.“ Es würde ein Fahrgefühl erreicht, das der Strecke Sigmaringen-Albstadt entspreche.

 

Wie teuer wäre die Alternativtrasse im Vergleich zur Nordtrasse?

Das Bündnis schätzt die Baukosten für seinen Vorschlag auf rund 100 Millionen Euro. Pro Kilometer rechnet es mit Baukosten in Höhe von 3,9 Millionen Euro, sodass die 16,4 Kilometer zusammen 64 Millionen Euro kosten würden. Zubringerstraßen und Brücken werden mit zwölf Millionen Euro angesetzt, die Planung und der Grunderwerb sollen 22 Millionen Euro kosten.

 

Wie sind die Unterschiede im Vergleich zur Nordtrasse?

Laut dem Bundesverkehrswegeplan werden für die Nordtrasse mit Kosten von 106 Millionen Euro kalkuliert. Dieser Kostenansatz sei aus drei Gründen nicht zu halten, so das Bündnis: Der Ausbau der Altstrecken, des Sigmaringer Ohrs und der Lärmschutz für Inzigkofen, Laiz und Sig'dorf schlagen mit 46 Millionen Euro zu Buche. Macht geschätzte Gesamtkosten in Höhe von rund 152 Millionen Euro. Die Bürger machen zudem auf den kostspieligen Bau einer 720 Meter langen Brücke bei Sigmaringendorf für 16 Millionen Euro aufmerksam, der hinfällig wäre.

 

Wie viele Menschen würden durch die Alternativtrasse entlastet?

Bezogen auf die Zahlen des Bundesverkehrswegeplans 2030 rechnet das Bündnis mit einer Entlastung von rund 2250 vom Verkehr geplagten Menschen. Bei der Nordtrasse falle diese Bilanz wesentlich ungünstiger aus, da zwar 1300 Menschen entlastet werden, die Inzigkofer und Laizer Bürger aber den zusätzlichen Verkehr erdulden müssten.

 

Wie sind die Fahrzeiten im Vergleich zur heutigen Situation?

Hier haben die Bürger mit konventionellen Navigationsgeräten gerechnet. Vom Nollhof über die B 32 nach Mengen geben sie 16 Minuten Fahrzeit an. Über die neue Route könnten fünf Minuten gespart werden.

 

Wie sind die Eigentumsverhältnisse entlang der Alternativtrasse einzuschätzen?

Neben den Gemeinden Inzigkofen, Meßkirch, Krauchenwies, Mengen und Scheer besitzen die Adelshäuser Hohenzollern und Württemberg maßgebliche Waldflächen. Nur wenige private Grundstückseigentümer wären betroffen. „Dies erleichtert die Planungen und beschleunigt die Umsetzung des Projekts“, lautet die Einschätzung der Bündnismitglieder. Umwelttechnisch sensible Bereiche seien direkt keine betroffen.

 

Wie geht es nun weiter?

Wie berichtet, ist der Landkreis auf der Suche nach einem Koordinator, der die Straßenplanungen vorantreiben soll. Sobald diese Stelle besetzt ist - die erste Ausschreibung blieb erfolglos - will das Bündnis mit dem Landkreis die Gespräche vertiefen.

Grafik: Markus Fiederer
Grafik: Markus Fiederer
Grafik: Markus Fiederer
Grafik: Markus Fiederer

Als Bürgerinitiative lehnen wir die im Bundesverkehrswegeplan beschlossene Trassenführung ab. Wir engagieren uns aber gleichzeitig für die Verwirklichung einer „Trasse der Vernunft und Zukunft.“ In den vergangenen Monaten ist es uns gelungen, den Vorschlag einer alternativen Trassenführung zu entwickeln und mit der Unterstützung von Experten die Belastbarkeit dieses Vorschlags zu gewährleisten.

In jedem der drei für eine Straßenplanung relevanten Nachhaltigkeitskriterien weist die „Alternativtrasse M&M“deutliche Vorteile gegenüber der Nordtrasse auf:

 

1. Ökonomische Nachhaltigkeit:

  • Eine Trasse, die im Gegensatz zur Nordtrasse in der Lage ist, der noch weiter zunehmenden, „autobahnähnlichen“ Belastung durch den europäischen Transitverkehr gerecht zu werden.
  • Eine Trasse, die im Gegensatz zur Nordtrasse alle Gemeinden optimal an das überregionale Straßennetz anbindet.
  • Eine Trasse, deren Verwirklichung im Gegensatz zur Nordtrasse in ihrem Finanz- und Zeitrahmen klar und realistisch kalkulierbar ist.
  • Eine Trasse, die im Gegensatz zur Nordtrasse durch Optionen zum weiteren Ausbau Zukunftssicherheit gewährleistet.

 

2. Soziale Nachhaltigkeit

  •  Eine Trasse, die im Gegensatz zur Nordtrasse Belastungen durch Lärm und Abgase nicht verlagert, sondern alle Menschen von Wirkzonen entlastet (in Meßkirch, Rohrdorf, Engelswies, Vilsingen, Inzigkofen, Laiz, Sigmaringen, Sigmaringendorf, Scheer, Menningen, Göggingen, Krauchenwies).
  • Eine Trasse, die sozialen Frieden wahrt und zu einem Gemeinschaftsprojekt aller betroffenen Gemeinden und Bürger werden kann.

 

3. Ökologische Nachhaltigkeit

  • Eine Trasse, die in ihrer ökologischen Gesamtbilanz besser abschneidet als die Nordtrasse.

Unsere „Alternativtrasse M&M“ hat bei politischen Entscheidungsträgern große Beachtung gefunden und wird von unserer Partnerinitiative „Lebenswertes Göggingen und Umgebung“ voll unterstützt. Gemeinsam und mit Nachdruck werden wir den Vorschlag der „Alternativtrasse M&M“ in den Straßenplanungsprozess einbringen.

Die Unterschriftenaktion 2017

Insgesamt 2872 Unterschriften sind an die Landrätin Stefanie Bürkle übergeben worden.

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